Forscher warnen vor einer neuen Generation von Desinformation im Internet, die durch KI-gesteuerte „Schwärme“ entstehen kann. Diese Schwärme könnten sich in Echtzeit anpassen und den Anschein einer gemeinschaftlichen Meinung erwecken, während sie tatsächlich Desinformation verbreiten. Die Forscher betonen, dass die Gefahr nicht nur in falschen Inhalten liegt, sondern insbesondere im Schaffen eines „künstlichen Konsenses“, der Überzeugungen und Normen beeinflussen kann. Sie empfehlen Schutzmaßnahmen, die koordiniertes Verhalten identifizieren und Anreize zur Monetarisierung gefälschter Interaktionen verringern.
Konstanz () – Forscher warnen vor einer nächsten Generation an Desinformation im Internet durch sogenannte „Künstliche Intelligenz“. Offensichtliche „Copy-and-Paste-Bots“ würden vermutlich ersetzt durch koordinierte Gemeinschaften von „KI-Schwärmen“, so ein internationales Forschungsteam, das seine Erkenntnisse nun in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht hat.
Gemeint seien KI-gesteuerte Flotten, die sich in Echtzeit anpassen, Gruppen infiltrieren und in großem Umfang einen Anschein von gemeinschaftlicher Meinung erwecken können. Ein Chor aus scheinbar unabhängigen Stimmen schaffe die Illusion eines breiten öffentlichen Konsenses, während er in Wirklichkeit Desinformation verbreitet.
Dabei würde es zu einer Verschmelzung von großen Sprachmodellen (LLMs) mit Multiagentensystemen zu „schädlichen KI-Schwärmen“ kommen, die soziale Dynamiken authentisch imitieren – und nach Ansicht der Forscher den demokratischen Diskurs bedrohen, indem sie falsche Tatsachen zementieren und Konsens suggerieren.
Das Forschungsteam zeigt in seiner Analyse auf, dass die zentrale Gefahr nicht nur in falschen Inhalten bestehe, sondern vor allem in einem „künstlichen Konsens“: Der falsche Eindruck, dass „ja jeder das sage“, könne Überzeugungen und Normen beeinflussen, selbst wenn einzelne Behauptungen umstritten sind. Dieser anhaltende Einfluss, so die Forscher, könne tiefgreifende kulturelle Veränderungen bewirken, die über Normenverschiebungen hinausgehen und die Sprache, Symbole und Identität einer Gemeinschaft auf subtile Weise verändern.
„Die Gefahr besteht nicht mehr nur in Fake News, sondern darin, dass die Grundlage des demokratischen Diskurses – unabhängige Stimmen – zusammenbricht, wenn ein einzelner Akteur Tausende von einzigartigen, KI-generierten Profilen kontrollieren kann“, sagte Jonas R. Kunst von der BI Norwegian Business School, einer der Hauptautoren des Science-Artikels.
Darüber hinaus können KI-Schwärme auch die Trainingsdaten von regulärer künstlicher Intelligenz verunreinigen, indem sie das Internet mit gefälschten Behauptungen überfluten. Auf diese Weise könnten sie ihren Einfluss auf etablierte KI-Plattformen ausweiten.
Die Forscher warnen, dass diese Bedrohung nicht nur theoretisch ist: Analysen legten nahe, dass derartige Taktiken bereits angewendet werden.
Die Forscher definieren einen schädlichen KI-Schwarm als eine Gruppe von KI-gesteuerten Akteuren, die dauerhafte Identitäten bewahren und ein Gedächtnis haben, sich auf gemeinsame Ziele koordinieren und dabei Ton und Inhalt variieren. Sie passen sich in Echtzeit an Interaktionen und menschliche Reaktionen an, benötigen nur minimale Aufsicht durch Menschen und können plattformübergreifend eingesetzt werden. Im Vergleich zu früheren Bot-Netzen könnten solche Schwärme schwieriger zu erkennen sein, da sie heterogene, kontextbezogene Inhalte generieren und sich dennoch in koordinierten Mustern bewegen.
„Über die Täuschungen oder die Sicherheit von einzelnen Chatbots hinaus müssen wir neue Gefahren erforschen, die sich aus der Interaktion von vielen KI-Akteuren ergeben“, sagte David Garcia, Professor an der Universität Konstanz, und ebenfalls an der Untersuchung beteiligt.
Statt einzelne Beiträge zu moderieren, plädieren die Forscher für Schutzmaßnahmen, die koordiniertes Verhalten und die Herkunft der Inhalte verfolgen: statistisch unwahrscheinliche Muster von Koordinierung aufdecken, Verifizierungsoptionen unter Wahrung des Datenschutzes anbieten und Hinweise auf KI-Einflussnahme über verteilte Beobachtungszentren weitergeben.
Gleichzeitig sollten Anreize verringert werden, indem die Monetarisierung von gefälschten Interaktionen eingeschränkt und die Rechenschaftspflicht erhöht werden, so die Empfehlung der Forscher.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Roboter (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer wird in dem Artikel namentlich genannt?
Jonas R. Kunst, David Garcia
Welche Organisationen oder Einrichtungen tauchen im Text auf?
BI Norwegian Business School, Universität Konstanz, Fachzeitschrift "Science"
Zu welchem Datum oder in welchem Zeitraum fand das Ereignis statt?
Nicht erwähnt
An welchem Schauplatz spielt sich das Geschehen ab?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind:
Konstanz, Norwegen (BI Norwegian Business School)
Was ist die zentrale Aussage des Artikels in einem Satz?
Forscher warnen vor einer neuen Generation von Desinformation durch koordinierte "KI-Schwärme", die täuschend echte öffentliche Meinungen simulieren und somit den demokratischen Diskurs gefährden können.
Welcher Umstand führte zu dem Vorfall?
Der Hintergrund für das beschriebene Ereignis ist die wachsende Gefahr von Desinformation im Internet, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verstärkt wird. Forscher warnen, dass KI-gesteuerte Gruppen von "Schwärmen" entstehen könnten, die echt wirkende, koordinierte Desinformation verbreiten und damit den demokratischen Diskurs gefährden, indem sie ein falsches Gefühl von Konsens schaffen.
Wie fiel die Reaktion der Öffentlichkeit oder politischer Akteure aus?
Im Artikel wird beschrieben, dass Forscher vor der Gefährdung des demokratischen Diskurses durch "KI-Schwärme" warnen, die desinformationserzeugende Illusionen eines Konsenses schaffen könnten. Politische und mediale Reaktionen scheinen noch nicht konkret Erwähnung zu finden, die Forscher empfehlen jedoch Maßnahmen zur Erkennung und Regulierung solcher Phänomene.
Welche Konsequenzen oder Auswirkungen werden beschrieben?
Die Folgen oder Konsequenzen, die im Artikel erwähnt werden, sind:
Bedrohung des demokratischen Diskurses, Zementierung falscher Tatsachen, Schaffung eines künstlichen Konsenses, Einfluss auf Überzeugungen und Normen, tiefgreifende kulturelle Veränderungen, Verunreinigung von Trainingsdaten regulärer KI, Schwierigkeiten bei der Erkennung von KI-Schwärmen, Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen gegen koordiniertes Verhalten, Erhöhung der Rechenschaftspflicht, Einschränkung der Monetarisierung von gefälschten Interaktionen.
Wurde bereits eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Jonas R. Kunst, einem der Hauptautoren des Artikels in "Science", zitiert. Er sagt: "Die Gefahr besteht nicht mehr nur in Fake News, sondern darin, dass die Grundlage des demokratischen Diskurses - unabhängige Stimmen - zusammenbricht, wenn ein einzelner Akteur Tausende von einzigartigen, KI-generierten Profilen kontrollieren kann."
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